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Von Spar – oder: die schönste Hommage an den Krautrock
am 10. Juli 2010 von lorenz

Krautrock ist tot! Es lebe der Krautrock.

Ihnen ist der nächste Geniestreich gelungen. Erneut verbinden sie Elemente des scheinbar längst Vergangenen mit modernsten und dazu noch unglaublich schönen Klängen elektronischer Musik. Ein Spagat zeigt sich von den 70er Jahren über Höhepunkte des Post-Punks und New-Waves hin zu dem geschickten Einsetzen elektronischer Elemente. Die Rede ist von der aus Köln stammenden und mittlerweile teilweise in Berlin beheimateten Gruppierung Von Spar, die bereits mit ihren beiden ersten Alben in der musikalischen Avantgarde große Wellen schlugen. Zunächst war es überaschend erfrischender Elektro-Punk, es folgte der krasse Wandel hin zum experimentellen Krautrock. Mit ihrem unlängst erschienenen dritten Album Foreigner scheinen sie nun wieder ein wenig strukturierter zu agieren, schaffen ein unglaubliches, fast schon episch erscheinendes Werk als Ganzes und überzeugen ferner erneut durch musikalische Einzelleistungen. Es könnte und sollte die Platte des Jahres werden! Ganz sicher für Leute, die generell eine entsprechende musikalische Affinität aufweisen. Denn man muss dazu sagen, dass nahezu komplett instrumentale Musik verständlicherweise nicht jedenmanns Sache ist. Dass Von Spar eine – wenn man es so banal sagen kann – spezielle, aber aufgrund dessen eben auch eine sehr besondere Band ist, ist nicht zu leugnen. Eine Band, die – meiner Meinung nach – defintiv noch weitere Aufmerksamkeit verdient hat, von der auch in Zukunft viel zu erwarten ist, die sich aber sicher bereits jetzt schon den einen oder anderen kleineren Meilenstein gesetzt hat.

Zum Abschluss möchte ich das Kölner Label Tomlab zitieren, das die Rolle Von Spars schön in einem Satz zusammenfasst: “Detached from the usual style issues Von Spar have exorsized the Zeitgeist and overtaken the discourse.”

Allen Berlinern, die am heutigen Samstag noch nichts vorhaben, möchte ich Von Spar und weitere in der Volksbühne empfehlen.

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Holy Fuck – Latin [CD-Review]
am 17. Mai 2010 von bene

vö: 14.05.2010

web: www.holyfuckmusic.com

label: Beggars Group

am bavarian open festival 2007 hatten sie ihren ersten auftritt in deutschland und wurden auch gleich zur band des abends erkoren. drei jahre später sind die vier kanadier mit ihrem zweiten album “latin” zurück. die neun songs sind wieder rein-instrumental und geben dem menschlichen klangorgan nur durch vereinzelte refrain-wörter und vocal-loops platz. somit schwingt der dichte klangteppich immer wieder vom spährischen hin zum tanzboden. das drückt und zieht um dann wieder frei zu gleiten.

der opener “1md” baut langsam die spannung auf und übergibt funky-disco-mäßig an “red lights”. “stay lit” erinnert stark an die kollegen von ratatat. während “lucky” doch verwundert und die frage aufwirft, wie diese sounds ganz ohne digitale unterstützung und synthesizer zustande kommen. spaß macht das sowieso und die grundlage dafür ist das solide bandkonstrukt, welchem nur durch die effekte, die percussion und die improvisation zu seiner kraft verholfen wird. und diese energie bewegt sich immer möglichst im experimentellen bereich, vergisst aber nie den druck hinterherzuschieben.

so bringen holy fuck auch ihre arbeitsweise von der bühne mit ins studio. die aufnahmen erfolgen schnell und unter den bedingungen des live-auftritts. hier wird ganz offen zugegeben, dass diese faszination nur durch aktives erleben möglich ist. “p.i.g.s.” macht diese energie greifbar und beendet “latin” mit der geballten kraft, die einen vor 3 jahren gepackt hat und auch beim nächsten aufeinandertreffen mit holy fuck wieder mitreißen wird.

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FM Belfast – 04.05.2010 // BERLIN – MAGNET CLUB [Konzertreview]
am 14. Mai 2010 von bene

island sorgt mittlerweile schon seit monaten für wirbel, sei es durch staatskrise, verbranntes geld, aschewolke oder dem iceland airwaves festival. letzteres rückte fm belfast in einen größeren aufmerksamkeitsfokus und brachte glücklicherweise dadurch die sechs isländer nach berlin in den magnet club. und auch wenn der alte club an neuem ort nicht ausverkauft war, so darf man vorwegnehmen: beim nächsten mal wird er aus allen nähten platzten, denn was fm belfast dort abgezogen haben, wird von den anwesenden begeistert in die stadt und darüber hinaus getragen.

der ganze wahnsinn startet mit “i can feel love” und bereits nach 2 minuten geht die halbe zuschauermenge “down, down, down” um danach wieder hochzuspringen. die 5 herren der band sind anfangs noch mit fliege und hemd bekleidet, werden aber das konzert nur in unterhemd und boxershort beenden. der bühnenhintergrund gehört dem tänzer, der stark an bez von den happy mondays erinnert. er erfüllt seinen zusätzlichen zweck als minimaler percussionist, was teilweise sinnlos erscheint aber durchaus lustig anzuschauen ist. fm belfast wirkt als freundschaftliches kollektiv mit all den verrücktheiten, freiheiten und selbstverständlichkeiten. berührungsängste und abstand, fehlanzeige! das publikum muss band werden, und umgekehrt.

es geht weiter mit “frequency”, “underwear” und “synthia” und die jungs ziehen ihre stimmen immer weiter in bee-gees-hafte höhen. mit soviel akustischer fläche reißen sie auch immer wieder die stimmung nach oben, so dass das einzige weibliche mitglied lóa hlín hjálmtýsdóttir zeiweise untergeht. als coverversionen werden noch “the teenagers” und “rage against the machine “(via lotus) mit oben draufgepackt. dem einsetzende affengeschrei auf der bühne, folgt die frage des sängers arni vilhjálmsson: “do you know where you are?” und dabei wandert die rock’n'roll-hand in die menge während guns n’roses “welcome to the jungle” endlich alles wegreißt.

hier treffen rock und 80s auf elektronischen indiepop und das wird so eloquent und mit einer selbstverständlichkeit vermischt, dass das lachen nicht mehr zu stoppen ist. “par avion” markiert dann den abschluß sowie den höhepunkt des abends. am ende gehen alle “down down down” und alle springen wieder auf. eine mitsingende menge, die zusammen mit fm belfast gerne per flugzeug gen karibik fliegen möchte und zu 100% auf dem nächsten konzert landen wird.

weitere infos: www.fmbelfast.com

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Blockflöte des Todes – Wenn Blicke Flöten Könnten [CD-Review]
am 30. April 2010 von bene

vö: 30.04.2010

web: www.blockflötedestodes.de

label: wannsee records

egal ob auf dem fahrrad durch die frühlingsluft, beim kaffeetrinken in der wg-wohnküche oder beim zähneputzen vor dem badespiegel, die songzeilen von “wenn blicke flöten könnten” und vor allem die damit verbundenen geschichten sind ins hirn gestanzt und gehen nicht mehr weg. eine leicht amüsierter zustand ist damit konstant garantiert, wenn die “blockflöte des todes” (mit richtigem namen matthias schrei) loslegt. herausgekommen sind 16 songs, die anmuten wie von funny van dannen oder olli schulz, ebenfalls mit wenig blockflöte aber viel akustikgitarre und jeder menge guter unterhaltung im positivsten sinn.

das ganze spektakel startet mit dem you-porn-abhängigen mitbewohner und geht dann über gescheiterten selbstmord, sexgöttern, morgenurin-kur, flughafen-komplimenten à la “winson” und den vorteilen des krücken tragens bis hin zur mädchenhaar-allergie. gewürzt ist dies mit jeder menge ironie, sarkasmus und musikalisch immer entsprechend dramatisch, schrammelig oder kitschig untermalt. der schlachthof darf mit dem tag des offenen tiers, wie bei “wizo” auch nochmal ins musikalische rampenlicht und die gez bleibt weiterhin feind der jungen mediengeneration. das pms der freundin sowie der damit verbundene beziehungsstreß sollte natürlich auch nicht fehlen und somit jagt die blockflöte weiter durch die kleinen alltäglichen kuriositäten und deren verqueerten momenten. höhepunkt sind dann die schmarotzenden, jungen und schönen berliner mädchen auf ihrem feldzug durch die clubs der stadt immer auf der suche nach dem opfer mann. dazu kommt noch die drogenbeschaffung, welche durch fairtrade-koks finanziell immer unangenehmer wird.

das ganze macht soviel spaß und lässt selbst beim fünften mal hören immer noch die mundwinkel nach hinten und oben zucken, vor allem und auch weil weiterhin neue nuancen, textverweise und humorstücke gefunden werden sollen und dürfen. damit hat der noch lebende teddybär sicher keinen grund sich die plüschadern aufzuschlitzen, denn so funktioniert amüsanter tiefgang nachhaltig.

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Monday is weekend now – thepharmacy@westgermany
am 26. April 2010 von andreas

„What are you going to do with your life?“

Diese Wörter schallt es in bester Ramonesmarnier von der kleinen Bühne des West Germany.  Die Antwort steht zu diesem Zeitpunkt bereits fest: Tanzen! Tanzen! Tanzen!

Zugegeben: es ist Montag. Nach einem ausgiebigen Wochenende kostet es viel Mühe und Überwindung wieder zu einem Konzert zu gehen, noch dazu, da es einem das West Germany als „newcomer“ nicht allzu leicht macht: von außen bloß eine Nummer. 133. Eine unscheinbare Tür. Dann noch in den dritten Stock. Doch wer es an diesem Tag geschafft hatte, sollte nicht enttäuscht werden!

Die Vorband „The Mokkers“, obwohl Berliner, mussten wegen der Vulkanasche absagen. Die Gitarristin der Band, hatte sich in New York verschanzt. Der Ersatz: DJ Tanzmaus (tja…ihr denkt euch jetzt vermutlich dasselbe wie ich). Dieser brachte auch allenfalls die Mäuse im Club zum Tanzen.

Dann jedoch The Pharmacy, die mit einem (am Ende zerstörten) Drumset, einer E-Orgel, E-Gitarre und Gesang, sprich 60’s Beats zum Shaken, ruhigen Balladen zum Verschnaufen und Punkrock zum Abgehen ihr neuestes Album „Weekend“ vorstellten. Wer am Ende von den drei sympathischen Jungs aus Seattle noch eine LP, oder vielleicht noch besser eine Musikkassette ergatterte, war gut beraten, denn: mit The Pharmacy wird Montag zum Wochenende!

The Pharmacy on myspace: http://www.myspace.com/pharmacy

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Caribou – Swim [LP-/CD-Review]
am 16. April 2010 von bene

vö: 16.04.2010

web: www.caribou.fm

label: city slang

selten hat ein album seine strahlen und seine bewegungen so vorausgeschickt wie caribous “swim”.
bereits der opener “odessa” schwirrte schon vor monaten im netz, es folgte “sun” mit dazugehörigem remix-contest. zusätzlich gab es auffällig viele begeisterte empfehlungen in sozialen netzwerken und die ankündigung zu exklusiven live-auftritten wie zum beispiel im berliner berghain (28.04.2010). alte fans von caribou genauso wie neubegeisterte geben sich hier die empfehlungsklinke in die hand und so darf “swim” mit aller zuversicht, hoffnung und vorfreude aufgenommen werden in den kreis der großen. dies ist eines der besten alben des jahres. und auch wenn four tets im januar veröffentlichte lp “there is love in you” den maßstab sehr hoch gelegt hat, so schiebt das 5. studioalbum von caribou aka dan snaith diese grenzen noch ein stück weiter.

das motiv des schwimmens ist in allen 9 songs eingewoben. es klingt förmlich nach einem heißen sommertag an dem man aus dem wasser steigt und alles glitzert, fließt und flimmert in seiner schönsten art. “sun” ist dazu der soundtrack. “lalibela” der zugehörige wind in choraler vertonung. es ist ein stetiges vor und zurück in form von bewegungen nach allen seiten. schwingende stereosoundstrukturen umschlingen wie wasser die grundbeats und geben der flüssigen dynamik noch mehr kraft. dazu funktioniert dan snaiths stimme teilweise begleitend, teilweise als eigene schwebende kraftgebende masterebene. diese singt von den lebensveränderungen, einem neuanfang, der aufgabe des gewohnten und der formbarkeit dessen was noch kommen mag. völlig unmathematisch geht dabei der doktor der mathematik  vor und schafft damit ein album, welches mit seinen feinsten leichtbeschwingtesten elektronischen möglichkeiten klickend, summend und schwingend umarmt und weg zieht in die träume.

leave house!

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Davids souveräner Finger
am 13. März 2010 von matthi

Die PMGalerie, die von den beiden Französinnen Julie Grosche und Aurélia Defrance geleitet wird, besteht seit 2009 im Norden des Schillerkiezes, der derzeit eine ähnlich aufstrebende Entwicklung durchmacht wie zuletzt der, zwei U8-Stationen entfernte, Reuterkiez. Für eine nichtkommerzielle Galerie ist sie erstaunlich geräumig und gestattet es den Galeristinnen sie sowohl als Ausstellungsraum wie Künstler-Residenz zu nutzen. Gewöhnlich wohnen Grosche und Defrance für einen Monat zusammen mit dem jeweiligen Künstler, bevor dessen Arbeiten, die während der Residenz entstehen, für einen Monat in der Galerie dem kritischen Blick der Berliner Bohème standhalten müssen. So wird eine Dynamisierung, Intensivierung, Reflexion und Neuaushandlung der Beziehung von Kuratoren und Künstlern möglich, da beide Parteien ungewohnt eng miteinander unter einem Dach leben und arbeiten.

Der Tscheche Martin Kohout stellt uns in seiner ersten Berliner Solo-Show FAQ: frequently asked questions. In fünf Arbeiten untersucht er das Beziehungs- und Bedeutungssnetz zwischen Gedanken, Sprache, Wissenschaft, immer im Hinblick auf die Möglichkeit ihrer Präsentation, die selbst stets eine (genormte) Form von Kommunikation darstellt. Wie verhält sich eine Idee oder ein Gedanke zur Möglichkeit ihrer oder seiner Artikulation? Ist Artikulation ohne eine zwangsläufige Einordnung in ein regelhaftes System, die jede Präsentation in einen determinierten und determinierenden Kontext setzt, überhaupt möglich?

In der Videoarbeit Six Days in Life of Sandra Lolax sieht man nur die Hände der „Protagonistin“ mit denen sie versuchen soll darzustellen, was sie am Tag erlebt hat. Sie benutzt dabei keine „offizielle“ Zeichensprache sondern entwickelte, während der Treffen in denen Kohout ihre Hände filmte, intuitiv eine „eigene“ bildhafte Fingersprache, in der sie uns nun, erfreulich ausdrucksstark und ansprechend, adressiert.

In A Ride Through: Haiti: 360°, einer Arbeit, die sich eine neue Technik von CNN aneignet, mit der man sich, ähnlich wie bei der Ultranahaufnahme bei Google Maps, auf eine bewegte Tour durch das erdbebenzerstörte Haiti begeben und mit dem Cursor während der Fahrt die Blickrichtung frei bestimmen kann. Kohout nimmt uns in seiner Präsentation dieser Fahrt glücklicherweise die Entscheidung zum selbstbestimmten Voyeurismus-Konsum ab und erlöst uns, zumindest für 3 Minuten und 25 Sekunden, durch einen Blickwinkel, der lediglich sich um sich selbst drehenden blauen Himmel erkennen lässt, von unserer Rolle als Post-Erdbeben-Katastrophentourist. Auch wenn im Ausstellungstext der Cursor als „sovereign finger“ bezeichnet wird, der, im Sinne CNNs, die individuelle Fähigkeit zur Kontrolle der Bilder weiterentwickeln soll, wird klar, dass in A Ride Through: Haiti: 360° immer noch der Künstler und nicht der User der eigentliche König ist.

Poodles sind zwei im Internet aufgefundene Bilder der beiden Metalle Uranium 2068 und Gallium, die uns zunächst auf der Abbildung selbst, in einer seltsam festlich bis andächtig anmutenden Geste, auf den Handflächen der glücklichen Uranium- und Galliumbesitzer präsentiert werden, wobei das temperaturempfindliche Gallium bereits in der Hand zu schmelzen beginnt. Im Ausstellungsraum der PMGalerie präsentiert uns Kohout das Bild selbst ein weiteres und noch ein Mal in dem er in dieser Arbeit, die trotz oder wegen der verwendeten einfachen Materialien ein Gefühl von kostbarer Zerbrechlichkeit erzeugt, das Internetbild auf eine Folie ausdruckt, die er auf einer anderthalb Meter langen Glasscheibe befestigt und diese, schräg an die Wand gelehnt, auf einem länglichen, viereckigen Styroporstück platziert.

Auch Zauberer und 80s-Ikone David Copperfield hat einen göttlich-souveränen Finger mit dem er seine fiesen Tricks auszuführen vermag. In david deutet er mit seinem magischen besten Stück auf uns, die Galeriebesucher. Verschmitzt grinst er uns, ins unendliche geloopt, vom großen Flatscreen an. Ich bin mir ziemlich sicher: David knows all the answers to our most frequently and urgently asked questions.

Martin Kohout: FAQ

PMGalerie: 06. – 20.03

Six Days in Life of Sandra Lolax

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Palast Orchester im Festsaal
am 19. Februar 2010 von martin

Klänge, die zwischen Lounge, Motown und Hip-Hop oszillieren, erschafft das Afia Asabre Palast Orchester.

Was manch einer daheim als Schmusi-Musi bezeichnet, ist live eine Offenbarung. Das AAPO-Kollektiv besteht aus zwei Beat- und Soundtüftlern, die zusammen mit einem Schauspieler und einem Musikwissenschaftler in den Festsaal Kreuzberg kommen, um jegliche Genre-Grenzen hinter sich zu lassen, um dann mit zahlreichen Querverweisen garnierte Trips auf die verblüffte berliner Szene los zu prassen.
28soundstoescape (Felix Lüke), Peter Pun, MP Kit und der PinkRobbat (Daniel Freitag) nehmen euch mit ihrem
Megaphon auf eine Beat-lastige Reise in die stets unterbewusste Gegenwart.
Klatschen, staunen, kopfnicken: Die Party vor der Party!

http://www.myspace.com/afiaasabrepalastorchester

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Vakuumtiefziehen, Modefarben-Romance und Badminton-Turnier
am 18. Februar 2010 von matthi

In der üppig bewachsenen Galerielandschaft Berlins ist es nicht schwierig, sich die Wochenenden und Wochentage mit Galeriebesuchen zu bestücken. In den letzten zwei Jahrzehnten gehörte es für die großen Namen zum guten Ton, zumindest eine Dependance in der jetzigen Kunst-Haupstadt zu eröffnen, wenn nicht gleich komplett dorthin abzuwandern. Angeblich sollen es schon vor ein paar Jahren 600 Galerien gewesen sein. Nach der „großen Krise“ traten tatsächlich erstmalig einige (wenige), der zuvor erfolgreichen kommerziellen Galerien, den Rückzug aus der Stadt an. Zeichnet sich ein Ende des Berlin-Booms ab?

Gleichzeitig bot und bietet Berlin aber auch Neustartern, aufgrund seiner immer noch günstigen Mieten, die Möglichkeit, sich auf dem bunten Markt der Galerien auszuprobieren. Das führte dazu, dass in Berlin nicht nur eine beeindruckende Anzahl von etablierten kommerziellen Galerien aus u.a. New York, London, Paris, natürlich auch Köln und Leipzig, neuerdings auch den osteuropäischen oder gar asiatischen Ländern, vertreten sind, sondern dass sich auch eine, wenn man so will, Off-Galerie-Szene entwickeln konnte und stetig weiter entwickelt. Für jede geschlossene kommerzielle Galerie schießen zurzeit gefühlte drei neue Galerien aus dem, momentan vor allem Neuköllner und Weddinger, Boden. Die Zahl von 600 Galerien scheint also nicht gefährdet, wenn sie nicht sogar weiter ansteigt. Der Zahl der brotreichen wie brotlosen Künstler, die aus aller Herren Länder anreisen, um an der Spree zu residieren, ist überdurchschnittlich hoch, so dass theoretisch auch für die kleineren Galerien genügend lokale Rosinen mit internationalem Background zum herauspicken vorhanden sein müssten.

Dennoch lohnt in Berlin bei weitem nicht jede Ausstellung eines Besuches. Das gilt zu gleichen Teilen für die kommerziellen Profis, wie für die halbkommerziellen oder gänzlich nicht-kommerziellen Galerien. Genau wie in anderen Bereichen des Berliner Kulturlebens gilt auch für die Galerien: vieles gibt es hier zu sehen, Sehenswertes muss jedoch entdeckt werden. Deswegen möchte ich an dieser Stelle, in unregelmäßigen Abständen, auf Ausstellungen hinweisen, die aus dem Kunst-Wust angenehm herausstechen.

Heute gibt es, mit einer kleinen Ausnahme nur größere Namen: In der architektonisch sehr interessanten, weil (sozialistisch-)modernistischen Glasfront-Galerie Capitain Petzel – die gemeinsam von der Kölner Galeristin Gisela Capitain, und Friedrich Petzel, der eine Galerie in New York betreibt, geleitet wird – werden noch bis zum 27. Februar Arbeiten von Seth Price gezeigt. Im ersten Teil der mit „Die Nuller Jahre“ betitelten Ausstellung, blickt der New Yorker Price auf die letzten zehn Jahre zurück, in denen er sich vom Experimentalfilmer zum bildenden Künstler entwickelt hat. Neben einem wechselnden samstäglichen Filmprogramm des Künstlers (die Galerie informiert per Mail) wird hier als aktuelle Arbeit eine Serie von industriell gefertigten Kunststoffplatten gezeigt, in die während des Produktionsprozesses, ein Seil vakuumtiefgezogen wurde. Bei vielen der Tableaus, die jeweils mit verschiedenen Farben bespritzt und/oder lackiert zu sein scheinen, ist nur noch der Abdruck, bzw. Herausdruck des vakuumtiefgezogenen Seils, das in Form von Schlingen drapiert wurde, zu sehen. Bei anderen baumelt die hellbraune Strippe, wie ein Gehängter, von der Rückseite des Kunststoffstücks zu Boden, als hätte man vergessen, es, nach dem Tod im Kunststoffbad, zu entfernen. Die raue Oberflächenstruktur des Materials „Hanfseil“ verbleibt als vakuumtiefgezogenes Abbild auf dem Material „Kunststoff“ erstaunlich taktil erhalten. Der Kunststoff selbst erschiene ohne diesen „Abdruck“ als oberflächenstrukturloses Material. Doch nun, da er die Form und Struktur des Seils konserviert, in sich eingeschlossen und aufgenommen hat, könnte diese in ihm massenhaft reproduziert und in einer jeweils zum Farbwunsch des Käufers passenden Ausführung hergestellt werden. Die reproduzierte Struktur des Seils, bleibt dabei immer die Gleiche, die Anordnung des Seils hingegen variiert, genau wie die auf die Oberfläche des Kunststoffs-mit-„Abruck“ aufgetragene Farbe.

Der zweite Teil der Price-Ausstellung befindet sich in der Galerie Isabella Bortolozzi. Hier gibt es neben einer längeren Videoarbeit, die auf einem Künstler-Gespräch basiert, in dem Price über das Verhältnis von Kunst und Film reflektiert, das bald durch einen Diavortag ergänzt wird, in dem Werke alte Meister neben Autodidakten aus dem Internet dekontextualisiert präsentiert werden. In der Galerie gibt es neben weiteren Vakuumtiefzieharbeiten u.a. zwei figurative Arbeiten zu sehen, die an Negative von Scherenschnitten erinnern. Braune Kunststoff-Stücke, die auf den ersten Blick, wie unrealistische Inseln aus der Vogelperspektive wirken, sind so an der Wand befestigt, dass die Umrisse auf den zweiten Blick die Konturen von Menschen, die sich im strahlenden Weiß der Galeriewand verlieren, erkennen lassen. Auf der einen Wand ein Mann mit Zigarette (dem vielleicht ein Streichholz angereicht wird) auf der anderen ein hinter der Hand tuschelndes Pärchen. Alltagsituationen? Besucher einer Vernissage? Kunststoff und Zwischenmenschliches… .

In der Galerie Daniel Buchholz – ebenfalls wie Capitain ein traditionsreicher und international bekannter Name aus Köln – die seit Sommer 2008, auch Berliner Galerieräume behängt, ist, bis zum 17. April, die aktuelle Ausstellung des in München geborenen und in New York lebenden (wo er wiederum durch Friedrich Petzel vertreten wird) Thomas Eggerer zu sehen. Dieser zeigt dort eine Kombination aus großformatigen Gemälden mit Figuren in Umgebungen, großformatigen Zeichnungen zu diesen Gemälden, normalformatigen abstrakten Gemälden und mittel- bis kleinformatigen Kollagen. Die Gemälde, abstrakt wie figurativ, sind sämtlich in kräftigen, leuchtenden (Neon)Farben gehalten, die durch geschickte Komposition und Kontrastwirkung in ihrer Strahlkraft erhöht werden. Dabei verwendet Eggerer weniger leuchtende Grundtöne, sondern vielmehr an Modefarben erinnernde Töne die man mit Neobeere, Neonflieder, Neonrhabarber, Neonguave oder Neonbermudablau betiteln könnte. Insgesamt wirkt die Farbkombination auf mich trotz der offensichtlich gewollten und erzeugten Intensivität interessanterweise einerseits harmonisch, hat jedoch gleichzeitig die Tendenz eine Spur zu grell zu wirken. Die Szenen, die Eggerer uns auf den Bildern präsentiert, erscheinen, unterstützt durch diese Farbwahl, ebenfalls zugleich „schön“ anzusehen, wie sie einen zu einem gewissen Maße ein wenig beunruhigen, oder zumindest in einem Gefühl der Unklarheit lassen. Die Szenen, die meist aus urban-natürlichen Grenzräumen, mit dominierenden architektonischen Elementen, und den Figuren, die sich in diesen Umgebungen bewegen, bestehen, sind dabei nie gänzlich ausformuliert, sondern bleiben immer, zu einem gewissen Teil, grafisch bzw. modefarbig.

In der, der Ausstellung den Namen gebenden Arbeit „Fence Romance“ gibt es ein Jungs-Pärchen, in modefarbenen Badehöschen oder Shorts, deren Romantik unter einem Zaun, dank der Position, die sie durch die (Beton-) Schräge auf der sie stehen, einzunehmen gezwungen sind, ein seltsam-anrührendes Bild abgibt. Sie geben sich gegenseitig Halt, können aber den romantischen Blick nicht zueinander, sondern nur auf den schrägen Boden unter ihren Füßen richten, um ein Abrutschen zu verhindern. Am Fuß der Schräge befindet sich vielleicht ein Kanal, der zusammen mit dem riesenhaften Zaun, der sich gleichzeitig bedrohend, wie schützend über die Jungs beugt, in Pinselstrichen, die wie Beschleunigungslinien wirken, gen Unendlichkeits-Fluchtpunkt am Horizont verliert.

In „Downward“: dieselben Jungs, immer noch auf einer Schräge, möglicherweise am selben Ort, nur von der andern Seite betrachtet. Farblich jedoch dominierten im ersten Bild kühle Blau-, Grau, und Weißtöne, hier kommt ein leuchtendes Grün hinzu, welches die oberen 2/3 des Bildes dominiert. Nun stehen die Jungs tatsächlich wie auf einer Caspar David Friedrich-Klippe, und sollten eigentlich „romantisch“ in den fernen farbfeldgrünen Horizont träumen. Doch müssen sie, genau wie in „Fence Roamance“, zu Boden blicken.

Abschließend zumindest noch ein kleiner nichtkommerzieller und tatsächlich ungewöhnlicher Galerie-Tipp für den freitäglichen frühen Abend, vor der HDK-Party. In der Neuköllner PMgalerie, die auf Artist-Residencies spezialisiert ist und die an späterer Stelle näher vorgestellt werden soll, wird an diesem Freitag, im Rahmen der derzeitigen „Residenz“ des Künstlers Martin Kohut, die Zeit bis zur nächsten „offiziellen“ Eröffnung am 5. März, für ein Badminton-Turnier genutzt. Als ob Galeriebesuche nicht schon anstrengend genug wären.

Seth Price in: Captain Petzel Gallery & Galerie Isabella Bortolozzi

Thomas Eggerer in: Galerie Daniel Buchholz

Badmiton-Turnier in: PMgalerie

Seth Price

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david keno
am 13. Februar 2010 von bene

i like music that’s funky – singt evan baggs bei seiner kollaboration mit david keno auf der pepsi funk ep. ein statement, das wir nur bejahen können und auch die de:bug nennt den track einen “brüller”. zusammen mit den anderen 22 releases von david keno ist die halbe plattenkiste bereits hochqualitativ gefüllt und darf gerne so am 19.02. auf der nächsten huldigung der künste party wieder ausgepackt werden, denn dann beehrt uns david keno im festsaal kreuzberg.

richtig angefangen hat es für den 30-jährigen gebürtigen berner vor über 4 jahren. unter dem namen vernis wurde seine erste ep bubble bath auf dem label pocketgame veröffentlicht und sogar trentemøller steuerte einen remix bei. es folgten releases unter anderem auf dem wundervollen kindisch-label und der eigenen marke “keno records”. dabei bewegt sich david keno immer gekonnt zwischen techno, house, funk und chicago-sound ohne sich zu sehr in eine richtung zu verirren, sonder eher die besten facetten der stile zusammen zu bringen. das schiebt, klickt, blubbert und findet sich fast immer gepaart mit vocal-snippets, die dem ganzen den nötigen schub aus der grauen masse geben. wir freuen uns darauf, dass er unsere bunte masse zur besten peak-time noch weiter anschieben wird.
es möge der saal erzittern!

vorab überzeugen könnt ihr euch schon mal mit diesem januar2010-set:

David Keno – January set 2010 by David Keno

oder hört euch das neue release an:

Jaxson & David Keno – Bel Vista by David Keno

oder einfach alles irgendwie unter www.myspace.com/davidkeno

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