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Die Wanderausstellung
am 17. Juni 2011 von thomas

Eine Faustregel aus der Linguistik besagt: Je mehr Berge, desto mehr Dialekte. Ganz einfach weil die Täler in den Bergen oft so isoliert voneinander waren, dass sie genauso gut verschiedene Länder hätten sein können. Sie waren Mikrokosmen mit eigener Sprache, eigenen Sitten und eigenen Regeln. Schmale und oft nur unter Gefahr zu begehende Pfade waren lange Zeit die einzige Verbindung zwischen diesen isolierten Zellen und auch der einzige Weg, Waren zu transportieren und auszutauschen.

Der Heimatfilm instrumentalisierte die Romantik der Abgeschiedenheit, der Wanderburschen, der verbotenen Liebe, der Tradition und der Schmuggler und Jäger. Viele der in den 50er und 60er Jahren beliebten Filme waren Neuauflagen von in den 40ern in den Berliner Ufa-Studios produzierten Filmen und vermittelten den kriegsgebeutelten Deutschen ein Gefühl von Idylle und Unversehrtheit. Schon etliche Jahre vor dieser Zeit und lange bevor der Heimatfilm endgültig zum im Retrowahn wiederbelebten Trash geworden ist – nämlich schon Anfang des 20. Jahrhunderts – hatte die Berliner Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins – und das obwohl doch oder vielleicht gerade weil die Berliner in Österreich als der Inbegriff des Piefkes, des überkorrekten und militärischen Preußen galten – die Zillertaler Berge für sich entdeckt und dort Hütten und Steige errichtet, die auch teilweise heute noch existent sind und gemeinsam den „Berliner Höhenweg“ bilden.

Diese Strukturen, sowohl die physischen als auch die psychischen, machen sich jetzt die Malerin Katrin Kampmann und die beiden Kuratorinnen Felicitas Aull und Eva Wisskirchen für ihr Projekt „Die Wanderausstellung“ zu nutze. Unter der Leitung des Kulturreferenten und Wanderleiters der Berliner Sektion des DVA Warmund Koch werden sie in den nächsten Tagen einige Etappen des Höhenweges wandern und dabei einige Arbeiten von Kampmann, die unter anderem Figuren aus Thomas Manns „Der Zauberberg“ und mit dem Klischee „Alpenwelt“ verbundene Motive zeigen, mit sich tragen. Im Projekt werden Performance, Malerei, Video und Fotografie verschmolzen und die Melange soll natürlich einerseits auf  die Wurzeln des Projekts verweisen, sie soll andererseits aber auch aus dem typischen Überangebot des Berliner Kunstzirkuses genommen und in eine Umgebung, die den Blick für die eigentlich Motivik schärfen soll, versetzt werden. Allabendlich werden die Bilder während der Wanderung auf den verschiedenen Hütten, in denen die Wanderer übernachten, ausgestellt und das ganze Projekt fotografisch und filmisch dokumentiert. Und weil nach Hause kommen doch auch ein schöner Teil vom Wandern ist, soll die Dokumentation der „Wanderausstellung“ in baldiger Zukunft zusammen mit den Bildern in eine Berliner Galerie ihres Vertrauens zurückkehren.

Mehr Informationen und den genauen Zeitplan der Wanderung gibt es unter http://diewanderausstellung.wordpress.com/ und auf Facebook: http://www.facebook.com/pages/Die-Wanderausstellung/131270560283007

Die Veranstalterinnen freuen sich übrigens über viele weitere Teilnehmer und Kurzentschlossene können sich immer noch anmelden. Abreise ist Sonntag der 19. Juni.





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thomas
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der beitrag wurde am Freitag, den 17. Juni 2011 um 21:39 uhr veröffentlicht und wurde unter bildende kunst abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


3 reaktionen zu “Die Wanderausstellung”
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