blog

« | »
Super 8 Preview – wenn das Unheimliche in den Hintergrund rückt
am 4. August 2011 von slava

Damit der Kinobesuch ein inspirierendes Ereignis wird, braucht die Vorführung eine Mischung aus spannender Geschichte, stiller Innovation, hervorragenden Schauspielern und etwas Tradition, die den Rahmen für das eingebettete Novum schafft und eine Art fantastischen Bezug bzw. Rückkehr zur realen Welt erlaubt. Was kennen wir schon, aber irgendwie auch nicht? Was könnte auf der Leinwand den Atem rauben, fesseln, die Zweifel ankämpfen, den Zuschauer mitnehmen und für Begeisterung sorgen? Wie wäre es mit Aliens? Oder mit außergewöhnlichen Menschen?

J. J. Abrams als Regisseur und Steven Spielberg als Produzent haben in Super 8 eine Geschichte entstehen lassen, die schlicht als Hommage bezeichnet werden könnte: An die kindliche Naivität und den Enthusiasmus, an das Super 8 Filmformat und an die Alien-Figur. Die Natürlichkeit der jungen Schauspieler, der abgedroschene Auftritt der US-Spezialeinheit und die Musik von Michael Giacchino ergänzen einander und deuten eine Erfolgskonstellation an.

Die Geschichte ist einfach: Im Sommer des Jahres 1979 bezeugen ein paar Teenager in einer kleinen fiktionalen Stadt in Ohio beim Dreh ihres Amateurfilms mit einer Super 8 ein Zugunglück. Bald darauf geschehen seltsame Dinge, Menschen und Gegenstände verschwinden. Die tatsächliche Handlung dreht sich jedoch weniger um diese Geschehnisse, vielmehr wird der Zuschauer von seinen Sympathien für die jungen Darsteller durch das Bild geführt. Sie sind interessant, ansprechend, anregend, fast idealistisch mit ihrem Vorhaben, einen Film zu drehen. Das Drumherum kommt und geht, wie ein Gefunkel, das nie das Bild verlässt, aber auch nicht wirklich da ist. Die Charaktere treten in den Vordergrund und überschatten das sonst – das darf ruhig ausgesprochen werden – einfallslose Ufo-Szenario. Sogar in einem der spannendsten Augenblicke wirkt das Gesicht des US-Spezialagenten Nelec (Noah Emmerich) furchteinflößender als der Ausdruck des unsichtbaren Wesens. Dass Aliens meistens als hässliche, oft mit Tentakeln, Antennen, Facettenaugen und kompliziertem Mundwerkzeug versehene Geschöpfe unermesslicher Intelligenz von den Filmemachern dargestellt werden, ist nicht neu. Dem Aussehen nach so unmenschlicher wie möglich, dem Wesen nach jedoch humaner als nötig. Aliens sind böse, aber ihre Boshaftigkeit resultiert meistens daraus, dass die Erdenbürger noch böser sind. Eigentlich bleibt die außerirdische Kreatur in Super 8 im Hintergrund. Ihre insektartige Form wird anfangs nur angedeutet, sie besitzt Superkräfte, frisst Menschen und verfolgt seit Jahren ein einziges Ziel: Sie will nach Hause. Plausibel. Hätte man auf das seichte Ende verzichtet, das aber durchaus durch den Abspann ausbalanciert wird, und stattdessen auf einen nüchternen Mensch-Alien-Abschied gesetzt, wäre der fantastische Moment möglicherweise besser gelungen. Aber es gehört zu dieser Art Filme dazu, kitschige Details zu verwenden und die Großartigkeit einer Szene durch das Einsetzen der Übertreibung als Stilmittel erreichen zu wollen.

Es gibt brillante Alienfilme und –serien, Unheimliche Begegnung der dritten Art, E. T. oder Taken z. B., sogar in Independance Day und Men in Black scheint das Konzept Alien vollkommener zu sein. Doch um Aliens geht es in Super 8 nicht, zumindest nicht vordergründig. Das Ziel scheint nicht gewesen zu sein, ein Alien-Bild zu schaffen, das bedroht oder verzaubert. Vielmehr wird im Film gezeigt, dass vor allem Menschen andere Menschen inspirieren, ihnen Mut machen können; dass Freundschaften den Zusammenhalt stützen und Ideen wachsen lassen. Es geht um Träume, Liebe, Freiheit und darum, loszulassen und nach vorne zu blicken.

Super 8 ist ein wunderbares Kinoereignis. Eine Empfehlung sei hiermit ausgesprochen.

Kinostart: 4. August 2011
Näheres zum Film gibt es hier.





Teilen



slava entwickelte ihr bewusstes verhältnis zur kunst, als sie vor ca. 10 jahren nach berlin zog. vorlieben hat sie besonders alternative darstellungen, ist aber tendenziell sehr tolerant und offen für jegliche art von schöpfungsprozessen.
-> weiteres


der beitrag wurde am Donnerstag, den 4. August 2011 um 15:11 uhr veröffentlicht und wurde unter film abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


einen kommentar schreiben


seiten
» Blog-Autoren

archiv
» April 2013
» Oktober 2012
» April 2012
» Januar 2012
» September 2011
» August 2011
» Juni 2011
» Mai 2011
» April 2011
» März 2011
» Februar 2011
» Januar 2011
» Dezember 2010
» November 2010
» Oktober 2010
» September 2010
» Juli 2010
» Mai 2010
» April 2010
» März 2010
» Februar 2010
» Januar 2010

kategorien
» Allgemein (5)
» architektur (5)
» bildende kunst (16)
» film (15)
» fotografie (4)
» galerie (9)
» hdk (8)
» konzert (21)
» literatur (1)
» museum (4)
» musik (29)
» party (11)
» tanz (3)
» theater (15)
» video (4)

hdk/ bei Facebook


tags
Alltag baggs berghain Berlin Berlinale Blockflöte blog brunnen 70 C/O Berlin caribou Casiokids city slang david Deutsches Theater evan exit an der tanzstelle festsaal kreuzberg four tet galerie gundlach hdk hdk-party holy fuck jaxson keno kindisch konzert levee Lido main fear love martin-gropius-bau motorama Neukölln party pepsi funk review Reynold Reynolds schaubühne set swim tanzstelle transmediale Transmediale.11 trentemøller wmf

huldigung der künste – blog is powered by WordPress | WP.de beiträge (rss) und kommentare (rss).