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Die Kunst des Storyboards
am 29. August 2011 von slava

Zurecht trägt die sich über zwei Stockwerke und drei Räume erstreckende Storyboard-Ausstellung den Titel „Zwischen Film und Kunst“, denn was sie zeigt, ist nicht nur die Handschrift von Künstlern wie Fritz Maurischat, Paul McCarthy oder Alex Tavoularis. Neben der Previsualisierung von Filmfragmenten kann auch die mechanische Wirklichkeit auf kleinen oder großen Bildschirmen bewundert werden. Zeichnung gegen Szenenbild, Zeichnung im Vorfeld des Szenenbildes, Zeichnung als Versuch, als Hilfe für Kameraeinstellungen, Zeichnung als Veranschaulichung dessen, was filmisch umgesetzt werden soll.

Wie groß ist die Distanz zwischen Film und Kunst? Oder ist das Wort zwischen hier vielmehr ein verbindendes Element? Schöpft Film nicht seine Stilmittel eben gerade aus seiner Distanz zur Kunst?
Auf der einen Seite kann die bildende Kunst, das Fundament angesiedelt werden; auf der anderen – die angewandte Kunst, die Mechanik, die Funktionalität. Was trennt eigentlich Film und Kunst? Und was vereinigt sie?

Eine Antwort auf diese Frage könnte der Betrachter in der Storyboard-Ausstellung finden. Skizzen bestimmen die Bewegungsabläufe der Filmprotagonisten, Licht und Schatten probieren Beleuchtungseinstellungen aus, Visionen werden mit dem Filzstift realisiert, ausprobiert, manipuliert. Grenzen werden gesetzt und überschritten. Auf Papier.

„Zwischen Film und Kunst. Storyboards von Hitchcock bis Spielberg“ wurde im Juni 2011 in der Kunsthalle Emden eröffnet und ist zurzeit mit zusätzlichen Exponaten aus den Archiven der Deutschen Kinemathek in Berlin zu Besuch. Es ist eine Sonderausstellung, die ihr erstes Echo im musealen Kontext genießt. Gleich am Anfang wird Bezug auf das Wort zwischen genommen. Das Storyboard sei ein filmisches Arbeitsmittel, das zwischen dem künstlerischen Entwurf und der technischen Zeichnung angesiedelt sei. Die gezeichneten Einzelbilder würden die Überprüfung und die dramaturgische Überarbeitung des Einzelverlaufs einer Filmhandlung ermöglichen. Es ist also ein Mittel der Prozessdarstellung, des Übergangs: Von der abstrakten Idee hin zur detaillierten Sequenzierung eines Handlungsablaufs, ein Zwischenstatus quasi – zunächst die Idee, die Vision; dann die Illustration (das Storyboarden); dann die mechanische Darstellung. Der Film als Nachahmung vorgezeichneter Bilderserien.
Interessant wirkt die Tatsache, dass für manche Filme über 1000 Zeichnungen angefertigt wurden, so z. B. für den Balettfilm „Die roten Schuhe“ (1948). Jede szenische Bewegung wurde vorgezeichnet. Mal grob und weniger scharf, mal so genau, dass es wie eine Ablichtung aussieht.

Storyboards können mithilfe unterschiedlicher Techniken realisiert werden. Manche Künstler ziehen die monochrome Arbeitsweise vor (Graphit oder Tusche), andere setzen auf die Gewalt der Bunt- und Farbtöne, der Kreide, der Gouache oder des Aquarells. Und wer noch nie von einer Blaupause gehört hat, kann selbst den Unterschied zwischen einer Bleistiftzeichnung und einer auf der Basis von Azofarbstoffen (synthetische Farbstoffe) begutachten. Die Blaupause ist ein silberloses fotografisches Lichtpausverfahren. Damit ist eine Kontaktkopie gemeint, die fotochemisch aus einer transparenten oder einer dünnen Papiervorlage auf einem Spezialpapier erstellt wird. Bei den Storyboards zu „Star Wars“ wurde beispielweise mit Blaupause gearbeitet.

Die Storyboard-Ausstellung, auch wenn etwas hollywoodhaftig, ist durchaus informativ – was die Kunst an sich und auch die mechanische Umsetzung anbelangt. Diese Art von Zusammenschau ist neu. Rückblickend wird der Begriff Storyboard als Wortschöpfung den Walt Disney Studios zugeschrieben. Dort wurden Einzelzeichnungen tatsächlich an ein „Board“ (Korktafel) gepinnt und bei der Besprechung hin- und hergeschoben. Das Storyboard als filmisches Arbeitsmittel wurde in Hollywood verstärkt seit Ende der 1930er Jahre verwendet. Und während viele der vorgezeichneten Spielfilme einen nicht zu unterschätzenden Erfolg gefeiert haben („Im Bann des Eulenspiegels“, 1932; „Men Hunt“, 1941; „Vom Winde verweht“, 1939 etc.), sind die Illustratoren meistens im Hintergrund geblieben. Ein guter Grund, deren Arbeit und vor allem deren Kunst in einer Ausstellung zu würdigen.

Diese beginnt mit einem Klassiker: Mit Kohle auf Transparentpapier wurde die Sequenz des Atlantikfluges in „Das Schiff der verlorenen Menschen“ (1929) vorgezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Stummfilm, der Tonfilm setzte gerade an. Dynamische Zeichenfolgen, zum Teil mit Sprache versehen, deuten Szenen und Emotionen an und werden aus heutiger Sicht als Vorform des Storyboards verstanden. 1932 entstand mit Frank Wisbars „Im Bann des Eulenspiegels“ der so genannte „Papierfilm“. 1937 war das Geburtsjahr des ersten farbigen Animationsfilms – „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ – in den Walt Disney Studios. 1940 wurde ebenfalls von Walt Disney die Previsualisierung für „Fantasia“ entwickelt. 69 Jahre später, im Jahr 2009 stellt der US-Performancekünstler Paul McCarthy das Leben in Disney-Land in Frage, indem er mit Ölkreide einen „sich drehenden Zwerg“ zeichnet, dessen Vollkommenheit (verstanden als American Dream) durch collageähnliche Ausschnitte aus Pornozeitschriften und Zigaretten- oder Parfumwerbung zerstört wird.
In den Storyboards liegt der Fokus zum größten Teil auf den Bewegungen der Protagonisten: Oft sind Pfeile zu sehen, die auf die Bewegungsrichtung hinweisen. Manche Zeichnungen sind äußerst präzise, andere grobe und architekturhaftige Skizzen; der Besucher sieht sich unter anderem auch mit malerischen und verzerrten Figuren konfrontiert, die eine nicht auf Realismus zielende Gestaltung im Stil von Miró oder Kandinsky beanspruchen („Die roten Schuhe“). Im Gegensatz dazu wünschte sich Alfred Hitchcock für „Ich kämpfe um dich“ (1945) keine unscharfen und nebulosen Bilder, sondern hyperrealistische, überscharf gezeichnete Motive. Martin Scorsese fertigte selbst die Vorplanung für „Taxi Driver“ (1976) an. Bis heute nutze er für seine Filme diese Technik, um sich über Kameraperspektiven und –einstellungen, über visuelle Anschlüsse und Bewegungsabläufe klar zu werden. In einem weiteren Klassiker – „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) – wurden Storyboards für rund 80 Prozent der Szenen verwendet. Für die Vermittlung von Spezialeffekten und Filmtricks hat sich die darstellerische Vorplanung unverzichtbar gemacht.

Der aufmerksame Besucher wird es merken: Mit der Zeit wurde die Technik des Storyboardens ausgefeilter. Der Begriff „optisches Drehbuch“ kam hinzu, Handzeichnungen und Computertechnik wurden miteinander kombiniert. Die Previsualisierung spielte schon damals, und heute noch mehr, eine Rolle bei der frühzeitigen Einschätzung des Filmbudgets. Bei dem Film „Der Liebhaber“ (1992), der zum Teil in Vietnam gedreht wurde, halfen die vorgefertigten Zeichnungen, eine Drehgenehmigung von den vietnamesischen Behörden zu erhalten.
Dies und viel mehr erzählt die Storyboard-Ausstellung. Sie ist chronologisch aufgebaut, fasziniert mit schrillen Skizzen aus „Die Vögel“ oder „A. I.“ und verrät – ganz klar –, wie viel Kunst im Film steckt.

Bis zum 27. November 2011 kann sie in der Deutschen Kinemathek besichtigt werden.





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slava entwickelte ihr bewusstes verhältnis zur kunst, als sie vor ca. 10 jahren nach berlin zog. vorlieben hat sie besonders alternative darstellungen, ist aber tendenziell sehr tolerant und offen für jegliche art von schöpfungsprozessen.
-> weiteres


der beitrag wurde am Montag, den 29. August 2011 um 16:44 uhr veröffentlicht und wurde unter bildende kunst, film abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


eine reaktion zu “Die Kunst des Storyboards”
  1. gjwmkvsq am 31. März 2015 um 03:27 uhr

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