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Jens Lekman und der sich schließende Kreis
am 4. Oktober 2012 von birte

Letzten Mittwochabend im Berliner Postbahnhof. Jens Lekmans Konzert neigt sich dem Ende zu, es folgt eine ausgiebige Zugabe gefolgt von einer weiteren. Lekman und Band sind großzügig mit dem Berliner Publikum. Doch schließlich beendet der schwedische Singersongwriter dann doch seinen Auftritt – und zwar mit dem Lied, mit dem er auch vor einigen Stunden schon begonnen hat. Er nimmt selbst dazu Stellung, versucht dem Publikum damit auch gleich das Konzept seines aktuellen Albums “I know what love isn’t“ näherzubringen. “So vieles im Leben spielt sich in Kreisbewegung ab“ – formuliert Lekman es selbst. Man kehrt immer wieder in ein Stadium zurück, in dem man sich schon früher einmal befunden hat.

So eben auch an diesem spätsommerlichen Abend, doch komplett identisch ist das zuerst und zuletzt vorgetragene Liedgut dann doch nicht. Aus einem vorgetragenen akustischen Piano-Intro wird zum Schluss ein längerer und mit dem Gesang Lekmans versehener Song. Der Kreis schließt sich, bringt aber auch immer wieder Neues mit sich.

Auf sein Geschichtenerzählen während eines Auftrittes ist das ebenso gut übertragbar. Das eine oder andere Lied wird dabei gerne mit einer kleinen Anekdote vervollständigt und zu erklären versucht. So habe ich nicht zum ersten Mal von einer Kirsten Dunst in Göteborg gehört, die aufgrund von einer ausverkauften Vorstellung nicht mehr in den gewünschten Kinofilm hineinkam, das schwedische Gleichheitsprinzip somit selbst an Leib und Seele zu spüren bekam. Oder die Geschichte über einen Besuch in Berlin, bei dem Jens Lekman für Freundin Nina als Scheinverlobter herhalten musste. All das, was dem schwedischen Pop-Dandy selbst widerfährt, kriegt man da zu hören – nicht nur in Songs verpackt, sondern eben auch mal zwischendurch als pointenreiche, ungeschönte Nummer, ganz ohne musikalische Untermalung.

Das kommt gut an beim Publikum, eben vor allem weil der Schwede von Erzählung zu Erzählung variiert, bei einem Konzert etwas betont, was auf einem anderen wiederum gar keinen Platz in derselben Geschichte findet. Ein Déjàvu-Erlebnis stellt sich schon ein, aber nicht ein solches, das Langeweile versprüht. Nein, Mitlachen klappt dann selbst bei denen, die den Jens und seine Geschichten hinter den Songs schon gut kennen. Dazu trägt wohl auch das neue Album bei, das wieder Platz für neue Songs und neue Anekdoten schafft. Der Kreis schließt sich wieder, aber befördert viel neues, ungebrauchtes Material an die Oberfläche. Wie es nun auch immer um Jens Lekman und seine Songtexte bestellt ist, auf seine augenzwinkernd-selbstironische Art und Weise höre ich ihm gerne zu. Gerne wieder, auch ganz ohne auf den Text zu achten.





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birte ist waschechte Berlinerin. Sie studiert Skandinavistik und Kulturwissenschaften. Fasziniert ist sie von dem breiten Spektrum der Kunst, auch wenn Musik und Theater bei ihr eine besondere Stelle einnehmen.
-> weiteres


der beitrag wurde am Donnerstag, den 4. Oktober 2012 um 12:28 uhr veröffentlicht und wurde unter konzert, musik abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


2 reaktionen zu “Jens Lekman und der sich schließende Kreis”
  1. anna am 13. Oktober 2012 um 12:24 uhr

    vielen dank für den schönen vormittag, welchen ich heute in begleitung von jens lekman verbringen durfte ;)

  2. tbdress am 28. Februar 2015 um 01:10 uhr

    The downside with McDonald’s is that “price and participation may vary” and still, in 2014, there are McDonald’s that don’t offer most of the coffee specialty drinks. Just you try going to the one at Clemson & Hard Scrabble and order something as basic as an iced mocha. Starbucks may be overpriced and bad about over-roasting their beans, but at least you know going in what each one sells.
    tbdress http://www.tbdress.cc

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