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Im Pool
am 22. Oktober 2010 von paula

Berlin Mitte steckt voller Galerien, die sich zwischen Designerläden und Szenecafés zu behaupten suchen. Viele von ihnen sind bunt und laut und haben eine Art Kunst für sich entdeckt, die mir häufig aufgeregt anstrengend zu sein scheint. Hier wird derart zwanghaft nach der Postmoderne gesucht, dass man bei all der Hektik das Naheliegende übergeht. Ein bedauerlicher Zustand, wo unsere Zeit der Kunst doch die größtmöglichen Optionen gewährt und bewusst Raum für offene Fragen lässt.

Wie beruhigend und angenehm ist es da, wenn jemand den Mut hat, die offenkundigen Fragen zu stellen und uns mit der Kunst und ihrer Bedeutung im Heute und Jetzt zu konfrontieren. Schon bevor man die pool gallery in der Tucholskystrasse betritt, wird man mit Sätzen beworfen, die man als Beleidigung auffassen könnte. YOU HAVE NOTHING steht da in Neonlettern an die Wand genagelt und leuchtet in das herbstliche Berlin hinaus. Gleichzeitig bereitet es uns auf die Begrüßung vor, die an der Tür klebt: ICH WEISS, DU HAST KEINE AHNUNG VON KUNST. Wer sich dennoch hineintraut, wird sich zeitnah die Frage stellen, was der Spiegel, der mit einer Rasierklinge, einem gerollten Geldschein und weißem Pulver versehen auf einem weißen Block liegt, mit Kunst zu tun hat, und damit ist er dann mitten im Thema.

Der Berliner Ruby Anemic nimmt uns mit auf eine Reise durch den Wust, den wir schon von draußen zu kennen dachten. Seine Art jedoch, unsere gemeinsame Welt zu arrangieren und daraus neue Kontexte zu schaffen, ist eigen. So puzzelt er verschiedene Bilder zu einer hohen Installation zusammen die auf einem simplen Stecksystem basiert, oder überrascht mit einer Art Grabstein. Kein Material, kein Medium scheint dem 1975 geborenen, studierten Kommunikationsdesigner fremd zu sein. Zwischen Bilderrahmen und Raumgreifendem liegt bei ihm nur ein Schritt, wobei es dennoch gelingt, die interdisziplinären Ausschweifungen zu etwas Ganzheitlichem zusammenzufügen. Die Vielseitigkeit wirkt gar notwendig, um die Komplexität unserer Zeit einfangen zu können und dennoch direkt zu bleiben.

Ruby spielt mit Zitaten und lässt zwischen seinen Ideen, die ihm unser alltägliches Lebensumfeld liefert, Installationen aufblitzen, die stark an Isa Genzken (> Singularity) erinnern oder wie eine Neuinterpretation von Frank Stellas Black Paintings (> Tiefschwarz I) erscheinen. Diese Art mit etablierter Kunst zu spielen und daneben den riesigen Ausdruck einer Desktopansicht an die Wand zu kleben, macht den Reiz dieser Ausstellung aus, die unbedingt sehenswert ist. Der zynische Unterton, der nahezu unbemerkt politischen Arbeiten, wirkt nie anklagend, obschon eine fragend amüsierte Abgeklärtheit aus dem Konkreten der Exponate spricht.

Der Künstler nimmt die aufgeworfenen Fragen allerdings nicht zum Anlass, uns die passenden Antworten zu liefern. Vielmehr bietet er mit seinen Arbeiten auch uns den Raum zu denken, während die bloßen Worte, die an der Scheibe kleben, die Phantasie mehr zu entfachen vermögen, als die unnötig lauten Bilder mancher Kollegen. In einem schlichten Holzbilderrahmen ist aus Dollarnoten ein Satz gebildet worden: I NEED MORE.

Zu sehen bis zum 13. November 2010 in der pool gallery in der Tucholskystraße 38.
(Di – Sa: 11-18 Uhr)





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paula
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der beitrag wurde am Freitag, den 22. Oktober 2010 um 00:02 uhr veröffentlicht und wurde unter bildende kunst, galerie abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


3 reaktionen zu “Im Pool”
  1. martin am 22. Oktober 2010 um 01:20 uhr

    .. es gibt wenig gründe nach mitte zu fahren, aber diese umschreibung macht lust auf mehr.

  2. Rosendo Gustine am 5. Mai 2011 um 17:26 uhr

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