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Britspotting 2011: Leichen im Keller und andere Schätze
am 27. Januar 2011 von julia

Für seichte Unterhaltung sollte der geneigte Kinobesucher die U2 wahrscheinlich einige Stationen vor dem Rosa-Luxemburg-Platz verlassen und sich im Cinemaxx vergnügen, denn Offenheit ist das oberste Gebot beim Filmfestival „Britspotting“ im Babylon Mitte. Man muss sich einlassen können auf die ungewöhnlichen Beiträge, in denen aus Chatrooms beängstigend reale Räume und aus Schränken Zeitportale werden. Doch es lohnt sich: Noch bis Sonntag hat man die Chance, im Festivalprogramm die eine oder andere Independent-Perle zu entdecken. Mein Blindflug führte mich in die Vorführung von Nick Whitfields verschrobener Low-Budget-Produktion „Skeletons“.

Aus Literatur, Musik und Kino ist man die Exzentrik der Kulturbeiträge aus dem United Kingdom ja bereits gewohnt. Und selbstverständlich wäre es den Briten zu profan, ihre Leichen im Keller zu lagern, wie es hierzulande jeder auf seine Art zu tun pflegt. Stattdessen verstecken sie ihre „skeletons in the closet“ und lassen es sich nicht nehmen, dies auf einmalig-skurrile Art cineastisch umzusetzen.

Dabei sind schon die ersten Minuten von Whitfields surrealistischem Werk inspirierender als so manche Effektschlacht aus der „Traumfabrik“: Lakonische Dialoge, kuriose Szenerien und ein recht bizarr anmutender Plot entfalten in Kombination mit der Kargheit der englischen Landschaft eine herrlich befremdliche Atmosphäre. Und obwohl es nahezu unmöglich erscheint, einem Film, der zwei kauzige Amateur-Exorzisten auf ihrem Streifzug durch die Schlafzimmerschränke ihrer Mitmenschen begleitet, Tragik und Tiefgründigkeit abzugewinnen, gelingt Whitman genau das: Die beiden Protagonisten Davis und Bennett „beseitigen“ auf Abruf die metaphorischen „Leichen im Keller“, die ungeliebten Geheimnisse und den emotionalen Ballast ihrer Kunden. Mittels eigentümlicher Gerätschaften und paranormaler Methoden erkunden sie die persönlichen Abgründe ihrer Auftraggeber und fördern dunkle Erinnerungen ans Tageslicht, wobei auch ein Blick in ihre eigene Vergangenheit einige alte Wunden aufreißt.

Neben dem wärmstens zu empfehlenden „Skeletons“ sind in den kommenden Tagen unter anderem zwei Kurzfilmvorstellungen und die ungarisch-deutsch-französisch-britische Produktion „Womb“ sowie „This is England ‘86“ , eine episodische Weiterführung von Shaun Meadows „This is England“, im Programm. I’m amused.

Infos gibt es unter http://www.britspotting.de.





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julia ist noch relativ neu in Berlin und studiert Publizistik. Neben dem geschriebenen Wort gilt ihr Interesse jedoch auch diversen anderen Kunstformen, sodass sie nun froh darüber ist, ihre monatlichen Ausgaben für Kino- und Konzerttickets zumindest teilweise mit ihrer Blogger-Tätigkeit rechtfertigen zu können.
-> weiteres


der beitrag wurde am Donnerstag, den 27. Januar 2011 um 12:24 uhr veröffentlicht und wurde unter film abgelegt. du kannst die kommentare zu diesen eintrag durch den RSS 2.0 feed verfolgen. du kannst einen kommentar schreiben oder einen trackback auf deiner seite einrichten.


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